Wenn du glaubst, die Griechen hätten das Laufen erfunden, trainierst du schnell für die falsche Geschichte. Hinweise aus Evolution und Archäologie deuten darauf hin, dass Menschen schon vor rund zwei Millionen Jahren Eigenschaften für ausdauerndes Laufen entwickelten, lange vor organisiertem Sport.

Für diese Zeitleiste trennen wir Legenden von dem, was sich halbwegs datieren lässt: Evolution, frühe Kulturen, antike Wettkämpfe, moderner Marathon und der Jogging-Boom.

Ein berühmtes frühes Läuferbild aus Tassili n'Ajjer wird etwa auf 6.000 bis 4.000 v. Chr. datiert. Die Marathonlegende ist dagegen nur ein winziger Ausschnitt einer viel älteren menschlichen Gewohnheit.

Am Anfang der Menschheit: die Geschichte des Laufens

Die Geschichte des Laufens von frühen Menschen bis heute.

Laufen lässt sich technisch als schnelle Fortbewegung zu Fuß beschreiben. Biomechanisch ist es die Gangart, bei der beide Füße kurz gleichzeitig in der Luft sind und der Bodenkontakt nur sehr kurz dauert.

Viele Anthropologen gehen deshalb nicht davon aus, dass Laufen wie ein Werkzeug erfunden wurde. Sobald Menschen aufrecht gingen, konnten sie auch schneller gehen, sprinten und später längere Strecken laufend zurücklegen.

Frühe Lebensbedingungen verstärkten diesen Vorteil. Wer fliehen, jagen oder Beute verfolgen konnte, hatte bessere Chancen. Der menschliche Körper entwickelte dafür Merkmale, die Läufer heute noch nutzen:

  • Schweißdrüsen, die Hitze regulieren und Kühlung über lange Belastung ermöglichen.
  • Achillessehnen, die Energie speichern und den Fuß bei jedem Schritt federnd unterstützen.
  • Muskeln und Bänder wie Nackenband und Gluteus maximus, die beim Laufen Stabilität geben.

Die verbreitete Theorie lautet: Ausdauerlaufen entstand zusammen mit Jagd, Hitzeresistenz und der Fähigkeit, wiederholbare Bewegung lange durchzuhalten. Wann Laufen zu einem zentralen Merkmal menschlicher Aktivität wurde, lässt sich nur näherungsweise bestimmen.

Als Laufen Ritual und Status wurde

Antike griechische Läufer als Teil der frühen Sportgeschichte.

Mit komplexeren Gesellschaften wurde Laufen mehr als Jagd oder Flucht. Gute Läufer waren als Boten, Jäger, Soldaten und Wettkämpfer wertvoll. Aus einer Überlebensfähigkeit wurde eine Fähigkeit für Rituale, Spiele und militärische Ausbildung.

Frühe Hinweise auf Läufer in rituellen Zusammenhängen finden sich etwa bei den Tailteann Games im Gebiet des heutigen Irland. Diese Spiele waren mit Totengedenken, Mythologie und körperlichen Wettkämpfen verbunden und blieben bis ins Mittelalter bekannt.

Auch die antiken Olympischen Spiele, erstmals 776 v. Chr. belegt, machten Laufen sichtbar. Der erste olympische Wettkampf war ein kurzer Lauf über etwa 190 Meter. Die Spiele hatten religiöse Bedeutung und wurden zu Ehren von Zeus ausgetragen.

Langstreckenläufer im antiken Griechenland.

In der Antike zeigte Sport Kraft, Ausdauer und Disziplin. Für Krieger waren genau diese Eigenschaften überlebenswichtig. Kein Wunder also, dass schnelles Laufen als besondere Gabe galt und in Mythen oft den Göttern zugeschrieben wurde.

Wie sich die Bedeutung des Laufens veränderte

Mit der Zeit wurden Wettkämpfe nicht nur Prüfung, sondern auch Unterhaltung und sozialer Treffpunkt. Trotzdem blieb Laufen praktisch wichtig: Wer schnell war, konnte Nachrichten überbringen, Einheiten verbinden oder große Distanzen bewältigen.

  1. Der ägyptische Pharao Taharqa soll im 7. Jahrhundert v. Chr. lange Trainingsläufe für seine Krieger eingeführt haben, teils über rund 100 km.
  2. Pheidippides wurde zur berühmten Marathonfigur, weil er der Legende nach von Marathon nach Athen lief, um den Sieg zu melden.
  3. Unter Malcolm III. in Schottland wird ein früher Cross-Country-artiger Wettkampf erwähnt, bei dem schnelle Läufer gesucht wurden.

Diese Beispiele zeigen, wie breit Laufen eingesetzt wurde: militärisch, religiös, sportlich und als Kommunikation. Aus einer Gabe weniger Auserwählter wurde nach und nach eine Fähigkeit, die Menschen trainieren konnten.

Was wir in der Laufgeschichte tatsächlich datieren können

Laufen wurde nicht wie ein Rad oder Speer erfunden. Sprinten dürfte es gegeben haben, sobald Menschen zuverlässig auf zwei Beinen unterwegs waren. Die Art von ausdauerndem Laufen, die viele heute trainieren, scheint aber eine spätere Anpassung zu sein.

Forschung zu Ausdauerlaufen verortet wichtige körperliche Anpassungen im Genus Homo vor rund zwei Millionen Jahren. Besonders relevant war vermutlich Persistenzjagd: ein Tier über Stunden verfolgen, bis Hitze und Ermüdung es ausbremsen.

Organisierte Rennen kamen viel später. Antike olympische Läufe sind ab 776 v. Chr. belegt. Der Marathon als moderne Disziplin tauchte 1896 bei den ersten modernen Olympischen Spielen auf. Die heutige Distanz von 42,195 km wurde erst 1921 standardisiert, nachdem die Londoner Olympia-Strecke von 1908 den Maßstab gesetzt hatte.

Für Anfänger steckt darin eine einfache Trainingslehre: Dein Körper kann stetige Arbeit lernen, aber er braucht Zeit. Starte locker, nutze Gehpausen und achte auf Schlaf, Hitze und Energiezufuhr.

Laufen heute

Modernes Laufen als Freizeit- und Wettkampfsport.

Die moderne Laufgeschichte nimmt Ende des 19. Jahrhunderts Fahrt auf. 1896 wurden die Olympischen Spiele in moderner Form wiederbelebt, 1897 folgte der erste Boston Marathon, heute einer der bekanntesten Langstreckenläufe der Welt.

Im 20. Jahrhundert veränderte sich der Blick auf Laufen stark. Bis in die 1960er galt es vielerorts als Sache für Wettkampfsportler. Mit Büchern wie Bill Bowermans „Jogging“, mehr Straßenrennen und medizinischen Empfehlungen wurde Laufen für normale Menschen selbstverständlich.

Heute wird Laufen sowohl von Profis als auch von Freizeitläufern genutzt, weil es mehrere Ebenen anspricht:

  • Stoffwechsel und Gewichtskontrolle.
  • Herz-Kreislauf- und Atemsystem.
  • Mentale Gesundheit, Stressabbau und bessere Stimmung.

Running Culture hat längst auch Humor produziert. Memes über einen angeblichen „Thomas Running“ sind genau das: ein Witz über die Frage, wer Laufen erfunden hat.

Alter Suchmaschinen-Screenshot zur Frage, wann Laufen erfunden wurde.

Eine sichere Antwort auf den einen Erfinder gibt es nicht, und genau das ist der Punkt. Laufen ist so grundlegend wie Atmen, Essen oder Gehen. Spannender ist, wer daraus Sport, Kultur und Trainingspraxis gemacht hat.

FAQs zur Geschichte des Laufens

Hat jemand das Laufen wirklich erfunden?

Nein. Laufen wurde nicht von einer einzelnen Person erfunden. Die meisten Forscher sehen es als Fähigkeit, die sich mit der menschlichen Evolution entwickelt hat. Erst später machten Menschen daraus Sport, Rituale und Training.

Wann haben Menschen erstmals angefangen zu laufen?

Menschen liefen wahrscheinlich schon vor Millionen Jahren, lange vor schriftlichen Quellen. Frühes Laufen hing mit Überleben zusammen: vor Gefahren fliehen, jagen, Wege zurücklegen. Ein exaktes Startdatum gibt es deshalb nicht.

Wie unterschied sich frühes Überlebenslaufen vom heutigen Joggen?

Frühes Laufen war praktisch, unregelmäßig und oft hart: kurze Fluchten, lange Verfolgungen, unebenes Gelände und keine Pace-Strategie. Modernes Joggen ist meist geplant, gleichmäßiger und dient Fitness, Sport oder Stressabbau.

Wann wurde Laufen zum Sport und nicht nur zum Überleben?

Laufen wurde in alten Kulturen Teil organisierter Spiele, Rituale und Zeremonien. Die Tailteann Games in Irland und die frühen Olympischen Spiele in Griechenland sind bekannte Beispiele. Dort war Laufen mit Tradition, Religion und gesellschaftlichem Rang verbunden.

Ist Pheidippides der eigentliche Erfinder des Marathons?

Nicht wirklich. Die Geschichte von Pheidippides ist eine Legende um einen Botenlauf von etwa 40 km. Die heutige Marathondistanz von 42,195 km wurde erst viel später standardisiert.

Was ist die Geschichte von Thomas Running?

Thomas Running ist ein Internetwitz, keine historische Person. Der Witz spielt mit der absurden Vorstellung, jemand müsse das Laufen erfunden haben.

Wann begannen normale Menschen aus Fitnessgründen zu laufen?

Freizeitsportliches Laufen gewann ab dem späten 19. Jahrhundert mit modernen Wettkämpfen an Sichtbarkeit und wurde im mittleren bis späten 20. Jahrhundert noch populärer. Bücher, Laufgruppen und Straßenrennen brachten den Sport aus der reinen Elite-Ecke.

Was sollte ich diese Woche tun, wenn ich jetzt laufen will?

Starte klein: eine Minute locker laufen, ein bis zwei Minuten gehen und das etwa 20 Minuten lang wiederholen. Die Intensität sollte so ruhig sein, dass du noch in kurzen Sätzen sprechen kannst. Bei Brustschmerz, Ohnmacht, schwerer Atemnot oder plötzlicher einseitiger Schwäche holst du medizinische Hilfe.

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Alex Roven
Alex Roven

Meinen ersten 10-km-Lauf bin ich aus einer Wette heraus angegangen. Ein Jahr später lief ich einen Halbmarathon, ein weiteres Jahr danach meinen ersten Marathon. Heute laufe ich vier Marathons im Jahr und jede Woche einen Halbmarathon. Alles rund ums Laufen habe ich mir auf die harte Tour selbst beigebracht – deshalb helfe ich anderen Läufern dabei, leichter bessere Ergebnisse zu erzielen.