Letztes Jahr habe ich mich für den Berlin-Marathon beworben und das Losglück gehabt. Nachdem ich die Strecke gelaufen bin und meine persönliche Bestzeit um 26 Minuten verbessert habe (dazu gleich mehr), teile ich hier meine Erfahrungen mit dir – damit du bestens auf dein eigenes Rennen vorbereitet bist.
7 schnelle Fakten zum Berlin-Marathon
- 47.912 Teilnehmer:innen (2023)
- 13 Weltrekorde wurden hier bereits aufgestellt
- Gold-Label-Rennen der World Athletics und Teil der World Marathon Majors
- Streckenrekord Männer: Eliud Kipchoge, 2:01:09 (2022)
- Streckenrekord Frauen: Tigst Assefa, 2:11:53 (2023)
- Startgebühr: 205 € — für europäische Verhältnisse relativ teuer
- Übliches Datum: der letzte Sonntag im September
Zuerst das Wichtigste: Wie kommst du zum Startplatz beim Berlin-Marathon?
Losverfahren. Wie die meisten Läufer:innen habe ich meinen Startplatz über die Verlosung bekommen. Die Gewinnchance liegt bei etwa 5–15 %, schwankt aber von Jahr zu Jahr. Die Anmeldung zur Verlosung startet meist eine Woche nach dem Rennen und läuft 45 Tage. Die Ergebnisse werden bis Ende Dezember bekannt gegeben.
Qualifikationszeit. Schnelle Läufer:innen können sich mit folgenden Zeiten direkt einen Startplatz sichern:
- Männer: unter 2:45 Stunden
- Frauen: unter 3:10 Stunden
Ja, die Qualifikationszeiten sind in Berlin hart.
Skate to Run. Ein einzigartiger Sonderweg zum Startplatz ist die „Skate to Run"-Veranstaltung. Wer beim Inline-Skating-Event im Vorjahr mitgemacht hat (das einen Tag vor dem Marathon stattfindet), erhält automatisch einen Startplatz für den Marathon im folgenden Jahr.
Weitere Wege. Weitere Möglichkeiten, einen Startplatz zu bekommen, sind Reiseveranstalter und Charity-Programme (ab etwa 1.000 €).
Die Expo
Die Expo zum Berlin-Marathon findet im Flughafen Tempelhof statt, einem stillgelegten Flughafenterminal. Sie ist in einen Innen- und einen Außenbereich unterteilt und wirkt fast wie ein aktiver Flughafen. Als ich das Terminal betrat, hatte ich fast das Gefühl, gleich einsteigen oder mein Gepäck abholen zu müssen.
Die Expo bot alles, was man von einer großen Marathon-Messe erwartet: zahlreiche Aussteller, offizielle Merchandise-Stände und einen großen Adidas-Store – Adidas ist die offizielle Marke des Berlin-Marathons.
Diese Dinge solltest du unbedingt zur Expo mitbringen:
- deine Startkarte (die dir 14 Tage vor dem Rennen per E-Mail zugeschickt wird)
- einen amtlichen Ausweis mit Foto, der mit den Angaben deiner Anmeldung übereinstimmt
Bei der Expo erhältst du drei wichtige Dinge:
- Armband
- Startnummer
- Zeitmess-Chip
Nur du persönlich kannst dein Startpaket abholen. Das Armband wird mit heißem Wachs an deinem Handgelenk fixiert und lässt sich nur durch Aufschneiden wieder entfernen. Es ist dein Zugangsticket zum Startbereich.
Anders als bei vielen anderen Rennen wird die Startnummer in Berlin direkt am Schalter gedruckt und enthält keinen Zeitmess-Chip. Der Chip wird separat ausgegeben – ein kleines Plastikteil, das du am Schuh befestigst. Den vergisst man leicht zu Hause, also unbedingt daran denken.
Beim Berlin-Marathon musst du dich vorab für eine von zwei Optionen entscheiden: einen Poncho nach dem Zieleinlauf oder eine Kleiderabgabe vor dem Rennen – beides zusammen geht nicht. Wenn du dich für die Kleiderabgabe entscheidest, vergiss nicht, den offiziellen Beutel mit deiner Startnummer abzuholen.
Ein Detail, auf das du dich einstellen solltest, sind die langen Warteschlangen, vor allem bei der Ausgabe der Startnummern. Sie bewegen sich meist zügig, plane aber trotzdem etwas Zeit ein. Wenn du direkt vom Flughafen kommst und Gepäck abgeben willst: Für großes Gepäck wird eine Gebühr fällig.
Der richtige Zeitpunkt für deinen Expo-Besuch ist entscheidend. Donnerstag oder Freitag eignen sich am besten zum Einkaufen, da beliebte Artikel schnell ausverkauft sind. Samstag kann extrem voll werden, besonders um die Mittagszeit. Geh also so früh wie möglich hin.
Auf der Expo selbst kannst du deinen Startblock nicht mehr ändern. Das geht nur online, spätestens eine Woche vor dem Rennen (für eine Zielzeit von 3:15 oder schneller brauchst du einen Nachweis).
Der Breakfast Run und das Bambini-Rennen
Am Samstag vor dem Marathon veranstalten die Ausrichter einen kostenlosen 5-km-Shakeout-Run. Da ich normalerweise am Tag vor dem Rennen nicht mehr laufe, habe ich nicht teilgenommen. Mitmachen darf aber jeder, und es soll großen Spaß machen.
Am selben Tag findet auf der Expo auch das Bambini-Rennen für Kinder statt – eine sehr kurze Strecke von 200 bis 1.000 Metern. Wenn du mit der Familie anreist, lohnt sich die Teilnahme.
Startbereich, Lageplan und Zeitplan
Start und Ziel liegen am selben Ort. Speichere dir das Reichstagsgebäude bei Google Maps — der einzige Zugang zum Startbereich befindet sich direkt davor.
Das Rennen beginnt um 8:50 Uhr mit den Handbike-Eliteathlet:innen, gefolgt von den Rollstuhlfahrer:innen und den übrigen Handbiker:innen um 9:57 Uhr. Die Läufer:innen werden in vier Wellen eingeteilt:
| Startzeit | Welle | Startblöcke | Zielzeit |
|---|---|---|---|
| 9:15 | 1. | A, B, C, D | 3:00-3:30 |
| 9:40 | 2. | E, F | 3:00-3:45 |
| 10:05 | 3. | G, H | 3:30-4:15 |
| 10:30 | 4. | J, K | 4:15+ |
Ich empfehle, mindestens 1,5 Stunden vor dem Start deiner Welle am Reichstag zu sein. In manchen Bereichen gibt es Warteschlangen und Engpässe, sodass es schwierig wäre, erst 5 Minuten vor dem Start in deinem Startblock zu stehen.
Der Start- und Zielbereich ist mit einem hohen Zaun gesichert und nur für Läufer:innen zugänglich. Freund:innen und Unterstützer:innen können dich dort nicht begleiten. Armband und Startnummer werden am Eingang kontrolliert.
Wenn du dich für die Kleiderabgabe entschieden hast: Die drei Abgabestellen liegen weit von den Startblöcken entfernt. Zieh dir also alte Kleidung oder einen Müllsack über, um dich warmzuhalten, und wirf sie kurz vor dem Start weg. Der Startbereich ist voll, du wirst eine Weile warten müssen – aber es gibt Musik, Tanz und Gesang, die für Unterhaltung sorgen.
Wenn du auf Zeit läufst und bei einem Rennen mit über 45.000 Teilnehmer:innen gut abschneiden willst, lohnt es sich, früh da zu sein und dich weit vorne zu positionieren. Die Strecke ist voll, wird aber im Laufe des Rennens breiter.
Pacing und Pacemaker
Das Pacing kann beim Berlin-Marathon eine Herausforderung sein, wenn du eigentlich in Meilen denkst – denn die Strecke ist ausschließlich in Kilometern markiert. Ein vorbereiteter Pacing-Plan ist Gold wert, damit du während des Rennens nicht kompliziert umrechnen musst.
Für jede Welle gibt es eigene Pacemaker:
- In Welle 1 findest du Pacemaker für 3:00, 3:15 und 3:30 Stunden.
- In Welle 2 gibt es Pacemaker für 3:15, 3:30 und 3:45 Stunden.
- In Welle 3 laufen Pacemaker für 3:30, 3:45 und 4:15 Stunden.
- In Welle 4 gibt es Pacemaker für 4:15, 4:30, 4:45 und 5 Stunden.
Die Pacemaker sind gut zu erkennen: Sie tragen große Fahnen und laufen paarweise.
Da das Rennen so voll ist, sammelt sich um die Pacemaker meist eine große Traube an Läufer:innen, was das Laufen anstrengender und weniger angenehm macht. Überlege, dich vor deine Pacemaker zu setzen oder weiter hinten in der Gruppe zu bleiben – dort hast du mehr Platz und Luft zum Atmen.
Die Strecke des Berlin-Marathons
Höhenmeter. Die Strecke ist flach – meine Garmin-Uhr hat nur 62 Höhenmeter gemessen. Nennenswerte Anstiege gibt es nicht, die wenigen Höhenmeter verteilen sich mehr oder weniger gleichmäßig über die gesamte Strecke.
Sonneneinstrahlung. Der Start ist relativ früh am Morgen, wenn die Sonne noch nicht hoch steht. Außerdem ist es in Berlin zu dieser Jahreszeit meist bewölkt. In der zweiten Rennhälfte läufst du größtenteils im Schatten – ungewöhnlich, aber ein Glücksfall.
Kurven. Die Strecke hat 55 Kurven. Die vielen Richtungswechsel können sich auf deine Zeit und die Genauigkeit deiner Uhr auswirken. Die Tangenten zu laufen ist zwar die empfohlene Strategie, bei so vielen Teilnehmer:innen aber kaum realistisch – du wirst nie allein unterwegs sein.
Die kürzeste Strecke. Ein weiteres Merkmal der Strecke sind die drei blauen Linien, die sich über die gesamte Route ziehen und die kürzeste zertifizierte Marathondistanz von 42,195 Kilometern markieren. Halte dich also an die blauen Linien, nimm aber Rücksicht auf die Läufer:innen um dich herum.
Verpflegungsstationen. Sie liegen etwa alle 2 bis 3 km. Die ersten Stationen bieten nur Wasser, später im Rennen gibt es zusätzlich Obst, kalten Tee und Maurten Drink Mix 160. Bei Kilometer 27,5 gibt es außerdem Maurten Gel 100.
Manche Verpflegungsstationen befinden sich nur auf einer Straßenseite und haben nur wenige Tische.
An den Stationen gibt es Wasser in dickwandigen Plastikbechern. Daraus im Laufen zu trinken ist gar nicht so einfach, weil du sie oben nicht zusammendrücken kannst, um eine kleine Öffnung zu formen. Außerdem werden sie auf dem Boden extrem rutschig.
Eine Alternative ist, deine eigene, beschriftete Trinkflasche mit deinem Getränk zur Expo mitzubringen – sie wird dann am Renntag vorne an der jeweiligen Verpflegungsstation bereitgestellt. Diesen Service kann beim Berlin-Marathon jede:r kostenlos nutzen. Achte nur darauf, deine Flaschen gut sichtbar zu beschriften.
Außerdem ist es erlaubt, dein eigenes Trinksystem mitzuführen, etwa eine Trinkweste, einen Rucksack oder einen Trinkgürtel.
Das Ziel
Kurz vor Schluss läufst du am Brandenburger Tor vorbei – einem der bekanntesten Wahrzeichen der Strecke. Viele Läufer:innen verwechseln es mit der Ziellinie. Denk daran: Von dort sind es noch etwa 400 bis 500 Meter bis ins Ziel.
Der Poncho ist ein leichtes, aber schönes Andenken mit Event-Logo und Kapuze. Er ist nicht besonders dick, aber praktisch für den Rückweg ins Hotel, wenn du dich für diese Option entschieden hast.
Wenn du dich für die Kleiderabgabe entschieden hast, gibt es im Ziel eine echte Besonderheit: Duschen und Umkleidezelte. Das findest du bei anderen Marathons eher selten, aber es lässt dich nach dem Rennen frisch machen und richtig feiern.
Beim Finish Line Festival gibt es Massagen und eine Medaillengravur. Denk daran, die Leistungen vorab zu buchen oder Bargeld dabeizuhaben – Kartenzahlung wird nicht immer akzeptiert.
Wenn du den Zielbereich verlässt, wirf deinen Zeitmess-Chip in einen der Eimer an den Ausgängen. Falls du ihn versehentlich mitnimmst, wird eine Gebühr fällig – erspar dir also den Ärger und gib ihn direkt ab.
Was die Platzierung des Chips angeht: Befestige ihn am besten weit oben am Schuh. Nach 42,2 Kilometern fällt es schwer, sich zu bücken und die Schnürsenkel zu lösen.
Wo du in Berlin übernachten solltest
Übernachte möglichst zentral. Ideal ist eine Unterkunft im Stadtzentrum oder in einem Umkreis von 3 bis 5 km. Die öffentlichen Verkehrsmittel funktionieren in Berlin hervorragend, sodass du pünktlich zum Start kommst. Hier ein paar Booking- und Airbnb-Links, die ich für dich rausgesucht habe:
Prüfe auf Google Maps, wie lange du mit öffentlichen Verkehrsmitteln zum Reichstagsgebäude brauchst (der einzige Zugang zum Startbereich). Zur Orientierung: Rechne mit bis zu 40–50 Minuten.
Im September wird es schwierig, noch ein gutes Hotel nahe dem Stadtzentrum für den Marathon-Termin zu bekommen. Buche frühzeitig, damit du nicht überteuert zahlen musst.
So buchst du einen günstigen Flug nach Berlin
Buche so früh wie möglich, um ein gutes Flugticket zu bekommen. Silvester ist traditionell einer der besten Tage zum Buchen, kurz nachdem die Losergebnisse bekannt gegeben wurden.
Die großen Flugsuchmaschinen bieten heutzutage vergleichbare Preise und Konditionen. Meine Favoriten:
- Booking.com/Flights — hier finde ich die beste Route mit wenigen Klicks
- Kiwi.com — ich liebe den Service: Sie checken mich unauffällig bei allen Flügen ein und informieren mich proaktiv über Verspätungen
Für ein besseres Last-Minute-Angebot lohnt es sich, verschiedene Start- und Zielorte zu testen. Suche zum Beispiel nach Flügen zu anderen deutschen Städten in der Nähe von Berlin, etwa Frankfurt, Hamburg oder Dresden, und lege den Rest der Strecke mit Zug oder Bus zurück. Das ist weniger bequem, aber günstiger.